Interdisziplinärer Studienkurs „Malvasier – Weinkultur in der Geschichte Venedigs und Europas“

MALVASIER – WEINKULTUR IN DER GESCHICHTE VENEDIGS UND EUROPAS. VON DER WIRTSCHAFT BIS ZUR MEDIZIN, VON DER POLITIK BIS ZUR KUNST UND LITERATUR

29. August-6. September 2021
Bewerbungsschluss: 25. April 2021
Veranstalter: Deutsches Studienzentrum in Venedig

Das Deutsche Studienzentrum in Venedig veranstaltet vom 29. August-6. September 2021 (An- und Abreisetag) einen interdisziplinären Studienkurs. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Michael Matheus (Mediävistik, Mainz), Prof. Dr. Klaus Bergdolt (Medizingeschichte, Kunstgeschichte Köln), PD Dr. Marita Liebermann (Romanistik, Venedig).

 

Seit dem 13. Jahrhundert ist der Handel mit schweren alkoholreichen Südweinen aus dem Mittelmeerraum in der Lagunenstadt sowie der Transfer durch venezianische Kaufleute in die europäischen Märkte immer dichter belegt und stellt für Jahrhunderte eine Konstante dar. In den Regionen nördlich von Alpen und Pyrenäen sorgen diese Weine, die hauptsächlich unter den Sammelbezeichnungen Malvasier, Romania und Rainfal firmieren, für eine wichtige Differenzierung des Weinangebotes. Sie fungieren überwiegend als Festgetränk bzw. Ehrenweine und dienen als Mittel der Repräsentation und der sozialen Distinktion. Insbesondere den als Malvasier bekannten und europaweit gehandelten Weinen, deren Genuss und Besitz das kulturelle Verhalten der Eliten mitprägte und die auch als Arzneimittel beliebt waren, kommt eine in Venedig bis heute wahrnehmbare wirtschaftliche Bedeutung zu: Noch immer erinnern Gassen, Ufer und Unterführungen der Stadt mit Namen wie „Fondamenta della Malvasia“ oder „Calle della Malvasia“ an den einstmals bedeutenden Handel.

Der Studienkurs analysiert zum einen die historisch-politischen Rahmenbedingungen dieses Handels an dessen unterschiedlichen Schauplätzen sowie die dazugehörige Infrastruktur in der Lagunenstadt bzw. in den anderen venezianischen Marktzentren und bei den Handelspartnern. Zum anderen widmet sich die Veranstaltung den kulturellen Semantiken, die dem Wein allgemein und dem Malvasier im Speziellen zugewiesen werden. Anhand exemplarischer Auseinandersetzungen mit literarischen Verarbeitungen des Malvasier-Motivs, die von den Novellen Boccaccios über Dramen Shakespeares und Goethes bis hin zum bürgerlichen Dekadenzroman reichen, lassen sich weitverzweigte Narrative in den Blick nehmen, die über die Selbst- und Fremdwahrnehmung sozialer Schichten und ‚Nationen‘ ebenso Auskunft geben können, wie sie den Blick auf poetologische Funktionen des Themas Wein überhaupt öffnen können. Die hiermit verbundenen Annäherungen an Methoden und Fragestellungen der Kultursemiotik und der Food-Studies können aussagekräftig nicht zuletzt auch an ausgewählten Werken der venezianischen Malerei erprobt werden, wie sie etwa das Oeuvre von Tintoretto, Veronese und Tizian umfasst. Ausgehend von den ikonographischen Kontexten der Stillleben und Genrebilder, die insbesondere Episoden der antiken Mythologie und des Neuen Testaments verarbeiten, wird untersucht, wie die an den Wein geknüpften Vorstellungen die Maler der Lagunenstadt zu höchst unterschiedlichen Behandlungen reizten.


Mit der Teilnahme ist die Vorbereitung eines Referats (ca. 20-30 Minuten) aus dem Themenumfeld des Studienkurses verknüpft. Die Formulierung der Referatsthemen erfolgt in Absprache mit den Dozierenden, die auch hinsichtlich der relevanten Forschungsliteratur Hilfestellung leisten. Der Kurs findet in deutscher Sprache statt, die Teilnehmenden sollten jedoch Italienischkenntnisse besitzen, die die Lektüre italienischer Texte ermöglichen. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Diskussion der behandelten Inhalte.

PRAKTISCHE HINWEISE

Am Studienkurs können fünfzehn Studierende und DoktorandInnen aus den Fächern Geschichtswissenschaft (Handels- und Wirtschaftsgeschichte, Medizingeschichte), Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft (u.a. Romanistik, Germanistik, Anglistik) teilnehmen. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Bachelorprüfung oder eine bestandene Zwischenprüfung in einem Magister- oder Staatsexamensstudiengang.

Die Bewerbung sollte folgende Unterlagen enthalten: Lebenslauf, ggf. Immatrikulationsbescheinigung, eine Hausarbeit eigener Wahl bzw. eine aussagekräftige Zusammenfassung des Master- oder Promotionsprojekts und ein kurzes Empfehlungsschreiben eines/r Dozierenden der Hochschule.

Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung in einer zusammenhängenden PDF-Datei an die Koordinatorin dott.ssa Michaela Böhringer (m.boehringer@dszv.it). Einsendeschluss ist der 25. April 2021. Eine Benachrichtigung der TeilnehmerInnen erfolgt per Email bis Ende Juni. Für Kosten und Buchung in einfachen Unterkünften für acht Nächte kommt das Studienzentrum auf. An- und Abreise sind dagegen selbst zu organisieren und zu finanzieren. (Wir empfehlen Ihnen, sich über eventuelle Unterstützungsformen Ihrer Universität zu informieren.)

Deutsches Studienzentrum in Venedig

PD Marita Liebermann, Direktorin

Weitere Informationen können bei der Koordinatorin dott.ssa Michaela Böhringer (m.boehringer@dszv.it) erfragt und unter http://www.dszv.it/de/studienkurs/ nachgelesen werden.
Wir danken der Fritz Thyssen Stiftung für ihre Unterstützung.